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Hallo aus Leipzig!

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Bin durch eine Kollegin auf das Forum gestoßen, die wusste dass ich seit Jahren meine eigene Rote-Beete-Schiene fahre. Ich arbeite auf einer internistischen Station und koche nebenbei leidenschaftlich, Rote Beete ist da quasi Familientradition. Was mich hier interessiert: Ich trinke regelmäßig selbstgemachten Saft und frage mich manchmal ob ich als jemand ohne Nierenprobleme wirklich entspannt sein kann was die Oxalsäure angeht, oder ob das doch unterschätzt wird. Aus dem Klinikalltag kenne ich beide Seiten. Mal schauen was ihr so draufhabt!


Interessant, dass du als Internistin fragst - ich erlebe das in der Praxis so: Die meisten gesunden Erwachsenen die täglich Rote-Beete-Saft trinken haben kein Problem. Aber "entspannt sein" würde ich nicht ganz pauschal sagen. Oxalat akkumuliert sich nicht von heute auf morgen, das stimmt, aber ich hab Patienten gehabt die symptomlose Nierensteine hatten und es erst zufällig rausgefunden haben. Kein Drama - aber Trinkmenge spielt da eine Rolle, also ob man generell genug Wasser zu sich nimmt. Konkret gefragt: Wie viel Saft trinkst du täglich, und in Kombination womit? Denn die Kalzium-Oxalat-Geschichte wird hier im Forum meiner Meinung nach tatsächlich zu wenig diskutiert.


Die Kalzium-Oxalat-Frage ist tatsächlich relevant, aber ich finde es etwas seltsam, sie an jemanden zu richten, der auf einer internistischen Station arbeitet - die Grundlagen kennt rotebeete_rosi vermutlich. Was ich aus der Beratung mitnehme: Das Risiko für Nierenoxalatsteine bei gesunden Menschen ohne Prädisposition und ausreichender Flüssigkeitszufuhr wird in der Allgemeinbevölkerung tatsächlich eher überschätzt. Die Datenlage ist hier leider dünn, was "sichere Mengen" an Rote-Beete-Saft angeht, weil die meisten Studien mit konzentrierten Extrakten arbeiten und nicht mit hausgemachtem Saft, dessen Oxalatgehalt je nach Sorte und Verarbeitung stark schwankt. Das ist ein Detail, das mich bei vielen Online-Empfehlungen stört: Es wird so getan als wäre "Rote-Beete-Saft" eine homogene Kategorie. Ist er nicht. Für jemanden ohne Vorerkrankungen und mit normaler Trinkmenge würde ich trotzdem nicht "vollkommen entspannt" sagen - einfach weil wir individuelle Absorptionsunterschiede bei Oxalat kennen und die sich nicht vorhersagen lassen.


Der Punkt mit den individuellen Absorptionsunterschieden ist berechtigt, anna_grf, aber ich finde die Aussage zur "dünnen Datenlage" etwas zu pauschal. Es gibt durchaus Arbeiten die zeigen, dass gleichzeitige Kalziumaufnahme die intestinale Oxalatresorption deutlich reduziert - das ist nicht nur Theorie. Das Problem ist eher dass kaum jemand im Alltag drauf achtet ob er seinen Saft nüchtern trinkt oder zu einer kalziumhaltigen Mahlzeit. In der Praxis erlebe ich genau das: Leute optimieren das Timing für Nitrat aber denken null über die Oxalatseite nach. Und ja, ich weiß dass rotebeete_rosi die Grundlagen kennt - meine Frage war trotzdem berechtigt weil konkrete Mengenangaben eben einen Unterschied machen, egal welchen Beruf man hat.


Das mit dem Timing find ich spannend, weil ich das selbst eine Weile getestet hab. Ich hab Betanio PLUS eine Zeit lang nüchtern genommen, dann gewechselt auf direkt zum Frühstück mit Joghurt dabei, und ob das jetzt wirklich die Oxalatseite beeinflusst hat weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber zumindest hab ich keine Magenprobleme mehr gehabt. Ob das Kausalität oder Zufall ist, kann ich nicht sagen. Was mich bei der Diskussion hier etwas stört: die Kalzium-Oxalat-Interaktion wird zwar erwähnt, aber konkrete Zahlen hört man nie. Wieviel Kalzium braucht es um die intestinale Resorption wirklich relevant zu senken? Ich hab da mal was gelesen von ~200-300mg gleichzeitig, aber eine verlässliche Quelle dafür hab ich nie gefunden. @anna_grf du hast das mit den individuellen Absorptionsunterschieden angesprochen, hast du da Hinweise auf Studien die das quantifizieren, oder bleibt das auf dem Level von "ist halt individuell"? Weil das ist mir zu vage um damit was anzufangen.


@markus_b82 die 200-300mg Kalzium gleichzeitig klingt plausibel, ich hab das auch irgendwo in dem Kontext gelesen, glaube in einer älteren Übersichtsarbeit zu Hyperoxalurie, aber ob das für normalen Saft mit normalen Oxalatmengen 1:1 gilt ist halt eine andere Frage. In der Praxis sage ich Patienten einfach: Saft nicht nüchtern, lieber zum Frühstück wenn eh Milch oder Joghurt dabei ist. Ob das die Resorption um 30% oder 60% senkt weiß ich auch nicht genau, aber das Prinzip ist solide genug dass ich es weitergebe. Konkrete RCTs mit hausgemachtem Saft und Kalziumkombination gibt es soweit ich weiß kaum, da hast du recht dass es dünn wird wenn man wirklich in die Zahlen will.


[quote=rotebeete_rosi]ob ich als jemand ohne Nierenprobleme wirklich entspannt sein kann[/quote]

Jetzt wo ich nochmal drüber nachdenke, rotebeete_rosi: ich würde das von der Familienseite her angehen. Gibt es bei dir Nierensteiner in der Verwandtschaft? Weil das ist in der Praxis der einzige Faktor der mich bei sonst gesunden Leuten wirklich aufhorchen lässt, mehr als die reine Menge. Wer familiär unauffällig ist, normal trinkt und den Saft nicht nüchtern kippt ist meiner Meinung nach wirklich auf der sicheren Seite. Der Rest ist dann eher akademisch.


Das ist halt das Problem mit dem ganzen Bereich, die Primärdaten kommen meist aus Hyperoxalurie-Studien mit Patienten die eh schon ein gestörtes Oxalatstoffwechselprofil haben. Auf gesunde Sportler zu übertragen ist dann immer ein bisschen Spekulation. @markus_b82 die 200-300mg Schätzung die du erwähnt hast deckt sich mit dem was ich kenne, aber ich glaub die Studienlage dazu ist wirklich überwiegend aus dem klinischen Kontext, nicht aus "normaler Mensch trinkt morgens Saft". Für den Alltag reicht mir das Prinzip trotzdem. Joghurt zum Frühstück, Saft dazu, fertig.


@rotebeete_rosi übrigens noch eine Frage die ich mir beim Tippen gedacht hab: du schreibst "Familientradition" mit Roter Beete, das klingt nach wirklich regelmäßigem Konsum seit Jahren. Hast du da jemals eine Urinoxalatwert-Bestimmung machen lassen, einfach so als Baseline? Wäre aus meiner Sicht ehrlich gesagt das sinnvollste was man als gesunde Person mit hohem Dauerkonsum einmal machen könnte, kostet nicht viel und gibt einem ein echtes Gefühl dafür ob der eigene Stoffwechsel damit klarkommt. Ich empfehle das bei Patienten die dauerhaft hohe Mengen oxalatreicher Lebensmittel konsumieren inzwischen routinemäßig, einfach als Ausgangswert. Nicht weil ich Alarm schlagen will, sondern weil "entspannt sein" eben leichter fällt wenn man tatsächlich Zahlen hat.


@mh_82 der Tipp mit dem Urinoxalatwert als Baseline ist eigentlich nicht schlecht, aber ich frag mich ehrlich gesagt wie viele Hausärzte das überhaupt kennen oder einordnen können. Ich hab das mal bei meinem angesprochen, weil ich eben eine Weile täglich Saft getrunken hab, und der hat mich angeschaut als würde ich ihm erklären dass ich gerne meinen Cholesterin-Subtypen wissen will. Kam nichts Substanzielles. Ist vielleicht eine Frage des richtigen Ansprechpartners. Was mich bei deinen letzten drei Posts etwas nervt: du redest immer von "das Prinzip ist solide genug", aber das ist für mich kein Ersatz für Zahlen. Ich versteh dass die Studienlage dünn ist, das glaub ich dir sofort, aber dann sollte man auch klar sagen "wir empfehlen das auf Basis schwacher Evidenz" und nicht so tun als wäre "Joghurt dazu, fertig" ein etabliertes Protokoll. Das ist ein qualitativer Unterschied der mir wichtig ist.

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